zu "USELESS MACHINE 2" 

[2017]


USELESS MACHINE 2


für Bassflöte, Violine, Violoncello und Polytempo-Network (2017)

UA: Green Thing Ensemble Wien - September 2017, Wien


http://greenthingensemble.com


Polytempo-Network

http://polytempo.zhdk.ch

 

"Zusammen im gleichen Tempo zu spielen ist eine grundlegende Voraussetzung des gemeinsamen Musizierens. Entsprechend ist es eine der ersten Fähigkeiten, die ein musikalischer Anfänger zu lernen hat. Umso interessanter scheint es, diese Ge- gebenheit ausser Kraft zu setzen und zu erkunden, wohin es führt, wenn die Musiker_innen eines Ensembles sich gleichzeitig in individuellen Tempi bewegen.

Mit dem Computerprogramm Polytempo Network können Musiker_innen in beliebigen Tempi untereinander synchronisiert werden. Zu diesem Zweck hat jeder Musiker anstelle eines Notenpults einen Bildschirm vor sich, auf dem der Notentext und das Tempo dargestellt wird.

Für Komponisten ergibt sich dadurch die Möglichkeit, experimentelle Tempo- strukturen realisieren zu können. Besonders interessant ist die Frage, wie die Technologie hier eine ästhetisch signifikante Rolle einnehmen kann, also eine Musik ermöglicht, die anders nicht aufgeführt werden könnte und insbeson- dere, ob und wie sich dies auch der Wahrnehmung des Publikums erschliesst.

Das Computerprogramm Polytempo Network wird am Institute for Computer Music and Sound Technology in Zürich entwickelt und künstlerisch- wissenschaftlich erforscht." [Philippe Kocher]


Programmtext zu USELESS MACHINE 2


A useless machine is a device which has a function but no direct purpose. [...] The most well-known „useless machines“ are those inspired by Marvin Minsky’s design, in which the device's sole function is to switch itself off by operating its own „off“

switch (Wikipedia).


Das Stück ist eine klingende Realisierung einer solchen „Useless Machine“. Es gibt eine Ein- und eine Ausschalt-Phrase, sowie ein Repertoire an Materialien, die sich zwischen dem Ein- und Ausschalten ereignen können. Bei jeder Aufführung wird das Verhalten der Maschine neu generiert, dabei ändern sich die Tempi, sowie Auswahl und Abfolge der Materialien, sodass jeweils eine neue Form des Stückes erzeugt wird, nicht gänzlich zufällig, sondern in einer Art „offenen Grammatik“. Das Resultat ist dabei nur bedingt vorbestimmt; es wird durch einen Algorithmus bei jeder Aufführung neu - quasi in REALTIME - erezugt und die daraus resultierenden Abfolgen von Noten, Tempi und Abfolgen den MusikerInnen über den SCREEN des Polytempo-Networks angezeigt; so verhält sich das System jedesmal neu, unvorhersehbar.


Manchmal schaltet sich die Maschine unmittelbar nach dem Einschalten wieder aus, manchmal wartet sie oder es ereignen sich verschiedene „unnütze“ Dinge in stets veränderter Form. So kann beobachtet werden, wie diese „unnütze Maschine“ sich verhält und verändert, und der Hörer bekommt ein Gefühl für ihre Beschaffenheit und ihr Verhalten.